Das Bernsteinzimmer stellt sich vor

Knusprig-splitternd, zartschmelzend-cremig oder luftig-fein.

In der Manufaktur duftet es. Nach frisch gerösteten Nüssen, Nougat und Kakao. Dazwischen schummeln sich Aromen exotischer Gewürze. Zimt? Kardamom? Oder doch Piment?

Angefangen hat es 2014. Da stolperte Oliver über Solvejgs Schokoladen-Variationen und die  kreative Seele fusionierte mit dem bodenständigen Denker. Anfangs war ein Genießer-Café in Düsseldorf geplant: Ein wohlig prasselndes Feuer im Kamin, guter Wein und ausgewählte Whisky-Sorten mit der passenden Praline und Schokoladen. Der Blick auf einen Bernsteinring, ein Familien-Erbstück, gab den Namen: Das Bernsteinzimmer – Raum für Genuss.

Solvejg rührt in einer kleinen Schüssel die Gewürz-Mischung für die Kürbis-Gewürznougat-Tafel zusammen. Im Temperierbecken ist der Haselnussnougat bereits halb geschmolzen und Luka hackt die dunkle Kuvertüre. Im Ofen trocknen die Kürbiskerne in ihrer Chili-Kakao-Hülle. Die Düfte vernebeln den Verstand.

Aber warum der Bernstein?

In ihm spiegeln sich all die farblichen Facetten wieder, die hier zu finden sind: Die dunklen Honig-Töne vom Whisky, sahnig-cremiges Karamell und dunkel-schimmernde Schokolade. Und jeder Bernstein ist ein Einzelstück. Genau wie die Tafeln und das Konfekt der Manufaktur. Hier wird alles noch von Hand hergestellt, dadurch gleicht kein Praliné dem anderen. Aber das ist auch nicht gewollt, der Fokus liegt auf dem Geschmack.

Heute wird hier ein Geheimtipp hergestellt. „Optisch haben wir aufregendere Tafeln, das stimmt. Aber die „Kürbis & Gewürznougat“ gewinnt immer mehr Liebhaber. Man muss ihr einfach eine Chance geben und sie probiert haben. Die Augen schließen und sich durch die Aromen und den zarten Schmelz in ferne Länder tragen lassen.“ erzählt mir Solvejg.

Das gelingt ihr wirklich. Durch die handwerkliche Herstellung sind Kombinationen möglich, die man in jedem Supermarkt-Regal vergeblich sucht. Feinherber Matcha-Grüntee mit Kokosnuss? Pecan-Nüsse mit Ahornzucker ummantelt in salziger Creme-Kuvertüre?

„Die Balance ist mir wichtig. Natürlich interessieren mich unbekannte Aromen, aber es muss trotzdem schmecken. Deswegen lasse ich das Bekannte mit dem Unbekannten verschmelzen und die Geschmacksnerven auf eine Reise gehen, bei der der Weg schon vorgezeichnet ist.“

Doch die Werke des Bernsteinzimmers heben sich nicht nur durch ihre Herstellung und den Geschmack von der Masse ab. Die Rohstoffe stammen aus biologischem Anbau und auf fairen Handel wird viel Wert gelegt. Hier wird bereitwillig Auskunft über die Herkunft der Zutaten gegeben, zu vielen Lieferanten besteht eine persönliche Bindung.

„Die Leute von Ecofinia sind ein geniales Team. Neben der Passion für gute Schokolade nehmen die sich selber nicht zu ernst und sind auch zu Scherzen aufgelegt. Wenn ihr mal in Krefeld seid, schaut unbedingt beim Fritz im Cioccolato vorbei. Bessere Trinkschokolade findet ihr nirgendwo! Und wirklich gut beraten bei außergewöhnlichem Geschirr und passenden Rezepten werdet ihr in Wuppertal bei Berthas in der Friedrich-Ebert-Straße.“

Die wohl außergewöhnlichste Differenz der kleinen Manufaktur aus Wuppertal ist mittlerweile kein Geheimnis mehr: Nichts, was hier hergestellt wird, enthält tierische Inhaltsstoffe. Und das aus Überzeugung. Die Ausbildung in der Lebensmittelindustrie hat Solvejg damals die Augen geöffnet. Doch ihr bestreben war es stets, dass das vegane Konfekt den Verwandten mit Milch und Butter in nichts nach steht.

„Wenn meine Tafeln ein geschmacklicher Kompromiss gewesen wären, hätte ich es nicht gewagt, mich damit selbstständig zu machen. Vegane Ernährung ist nämlich kein Verzicht sondern eine Erweiterung des Geschmacks-Spektrums. Aber mit den richtigen Gewürzen und Zubereitungen muss man auch nicht auf bekannte Lieblinge verzichten.“

Dem stimme ich voll und ganz zu. Hier werden hochwertige Zutaten zu kleinen Kunstwerken veredelt die genossen und nicht gegessen werden wollen. Wobei mir das bei dem Erdnuss-Salzkaramell-Nougat wirklich schwer fällt.

„Das geht mir ganz genau so, damit habe ich mir selber meine Achilles-Ferse geschaffen.“ verrät mir Solvejg lachend.

Na dann. Auf das Lachen, die Liebe und gute Schokolade!